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Great British Railways: Regierung hofft auf gesetzliche Grundlage noch vor Weihnachten

Die britische Regierung will die gesetzliche Grundlage für Great British Railways möglichst noch vor Weihnachten 2026 schaffen. Die geplante öffentliche Bahnorganisation soll Infrastruktur und Zugbetrieb zusammenführen. Ob daraus ein zuverlässigerer Verkehr entsteht, hängt jedoch auch von Personal, Fahrzeugen und der Finanzierung der Netzerneuerung ab.

Bahnminister Peter Hendy sieht eine realistische Chance, dass das Reformgesetz noch vor der parlamentarischen Winterpause die königliche Zustimmung erhält. Das berichtete der Guardian am 7. November über Hendys Auftritt bei einer Branchenkonferenz in London. Ein verbindlicher Abschlusstermin ist damit nicht zugesagt. Nach dem veröffentlichten Parlamentsfahrplan soll die nächste Beratungsphase im Oberhaus, die sogenannte Report Stage, am 18. November 2026 beginnen. [1][2] (theguardian.com)

Gesetz und Betriebsstart sind unterschiedliche Schritte

Great British Railways, kurz GBR, soll die bislang getrennten Verantwortlichkeiten für Schienennetz und einen Großteil des Personenverkehrs unter einem öffentlichen Dach bündeln. Ein Gesetzesabschluss vor Weihnachten würde allerdings nicht bedeuten, dass die neue Organisation sofort vollständig arbeitet: Das Verkehrsministerium erwartet die operative Aufnahme ihrer Tätigkeit ungefähr zwölf Monate nach der königlichen Zustimmung. [3] (gov.uk)

Parallel läuft die Überführung weiterer Zugverkehre in öffentliches Eigentum. Nach dem Regierungsfahrplan sollen die Dienste von Great Western Railway am 13. Dezember 2026 und jene von Avanti West Coast am 7. März 2027 folgen. Die Übernahme der unter Verträgen mit dem Verkehrsministerium betriebenen Personenverkehre soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Zunächst werden sie über Tochtergesellschaften der staatlichen DfT Operator Limited geführt. [3] (gov.uk)

Auch die Führung und der Standort nehmen Gestalt an. Das Verkehrsministerium bestätigte am 16. Oktober 2026 Sir John Kingman als ersten Verwaltungsratsvorsitzenden von GBR. Als Sitz ist Becketwell in Derby vorgesehen. [4] (gov.uk)

Gemeinsame Verantwortung soll Abstimmung erleichtern

Hendy verbindet mit der Reform vor allem klarere Zuständigkeiten. Nach seiner im Ausgangsartikel wiedergegebenen Darstellung begünstigt das bisherige Vertragsgefüge gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Zugbetreibern und Infrastrukturmanager Network Rail, insbesondere bei Störungen. Eine integrierte Organisation soll außerdem Personal und Fahrzeuge leichter dort einsetzen können, wo sie benötigt werden. Das sind erwartete Vorteile, keine bereits nachgewiesenen Ergebnisse der neuen Struktur. [1] (theguardian.com)

Der Minister verwies auf fehlende Lokführer sowie Probleme beim Einsatz gebrauchter Züge. Zugleich stellte er laut Guardian eine regional geprägte Führung statt einer umfassenden Zentralsteuerung aus Derby in Aussicht. Gemeinsame Leitungsteams für Infrastruktur und Betrieb bestehen nach Regierungsangaben bereits in Anglia, South Eastern und South Western. [1][3] (theguardian.com)

Weniger Erneuerung belastet das Netz

Die Reform trifft auf einen Rückgang der Ausgaben für die Erneuerung bestehender Infrastruktur. Die Aufsichtsbehörde Office of Rail and Road (ORR) weist für Network Rail einen Rückgang von rund 5,01 Milliarden Pfund im Geschäftsjahr 2020/21 auf 3,65 Milliarden Pfund 2025/26 aus – nominal etwa 27 Prozent. Dabei geht es um den Ersatz verschlissener Anlagen, nicht um sämtliche Bahnausgaben. [5] (orr.gov.uk)

Nach Einschätzung der ORR verschärfen steigende Kosten das Problem: Mit den verfügbaren Mitteln können weniger Erneuerungsarbeiten umgesetzt werden. Geringere Erneuerungsumfänge erhöhen nach ihrer Bewertung langfristig das Risiko eines schlechteren Anlagenzustands und zusätzlicher Ausfälle. Daraus folgt jedoch nicht, dass jede einzelne Verspätung auf unterlassene Erneuerung zurückzuführen ist. [5] (orr.gov.uk)

Offen bleibt zudem, wie verlässlich die Finanzierung unter künftigen Regierungen sein wird. Laut Ausgangsartikel befürchtet Darren Caplan, Geschäftsführer des Branchenverbands Railway Industry Association, dass Verkehrsminister fünfjährige Finanzierungsvereinbarungen nachträglich wieder öffnen könnten. Der liberaldemokratische Verkehrspolitiker Olly Glover warnte dort ebenfalls davor, kurzfristig zu viel zu erwarten: Verbesserungen benötigten Zeit und die Bereitschaft des Finanzministeriums, zusätzliche Ausgaben zu bewilligen. Beide Aussagen beschreiben politische beziehungsweise branchenseitige Einschätzungen, keine bereits beschlossenen Kürzungen. [1] (theguardian.com)

Quellen

  1. The Guardian / Business, Gwyn Topham, 7. November 2026: „Great British Railways: new dawn for a new network but with plenty of old problems to fix“. Übergebener Ausgangsartikel.
  2. UK Parliament: „Railways Bill – Stages“. Verfahrensübersicht mit geplantem Beginn der Report Stage am 18. November 2026.
  3. Department for Transport und DfT Operator Limited, veröffentlicht am 25. Mai 2025, aktualisiert am 20. September 2026: „Great British Railways and the public ownership programme“.
  4. Department for Transport, 16. Oktober 2026: „Sir John Kingman appointed as Great British Railways Chair“.
  5. Office of Rail and Road, Jahresbewertung 2026: „Annual efficiency and finance assessment of Network Rail 2026 – 2. Network Rail’s financial performance and efficiency“.