Sony beendet Disc-Produktion für neue PlayStation-Spiele ab 2028 – Experten warnen vor höheren Zugangshürden
Ab Januar 2028 sollen neu erscheinende PlayStation-Spiele ausschließlich digital vertrieben werden. Von Decrypt befragte Branchenkenner erwarten, dass dies Menschen mit geringem Einkommen besonders belastet: Günstige Gebrauchtspiele fallen bei neuen Titeln weg, während Downloads zusätzliche Kosten verursachen können. In Teilen Afrikas kommen Einschränkungen bei PlayStation-Konten hinzu. [1][2] (blog.playstation.com)
Was Sony angekündigt hat
Sony Interactive Entertainment kündigte den Schritt am 1. Juli 2026 an. Neue Spiele sollen ab Januar 2028 im PlayStation Store und bei Einzelhändlern nur noch in digitalen Formaten erhältlich sein. Bereits veröffentlichte Disc-Spiele sowie Titel, die vor diesem Stichtag auf Disc erscheinen, sind laut Sony nicht betroffen. Die Ankündigung bedeutet somit nicht, dass bestehende physische Spielesammlungen 2028 unbrauchbar werden. [2] (blog.playstation.com)
Das Unternehmen begründet die Entscheidung mit einer veränderten Nachfrage zugunsten digitaler Medien. Die sozialen Folgen bewertet der am 7. November 2026 veröffentlichte Decrypt-Bericht kritischer: Der dort befragte Spielemarkt-Experte Joost van Dreunen von der NYU Stern School of Business sieht insbesondere den Wegfall vergünstigter Gebrauchtkäufe als Problem für einkommensschwache Spieler. Auch die britische Interessenvertretung Gamer’s Voice erwartet eine stärkere Belastung niedriger Einkommen. Dabei handelt es sich um Einschätzungen der Befragten, nicht um bereits gemessene Auswirkungen der Umstellung. [1][2] (decrypt.co)
Datenkosten als zusätzlicher Teil des Spielepreises
Isa Muhammad, Gründer der auf Afrika und den Nahen Osten ausgerichteten Spielebranchenplattform Bijetic, schildert gegenüber Decrypt die Situation in Nigeria. Selbst Menschen, die sich eine Konsole leisten könnten, seien häufig auf gebrauchte Spiele angewiesen. Für ein Breitbandpaket mit 450 Gigabyte habe er zuletzt 75.000 Naira bezahlt – laut seiner im Artikel genannten Umrechnung etwa 55 US-Dollar. Dies ist eine persönliche Preisangabe, kein landesweiter Durchschnitt. [1] (decrypt.co)
Muhammad veranschaulicht die mögliche Belastung anhand von „Grand Theft Auto VI“: Bei einem angenommenen Downloadumfang von 212 Gigabyte könnten nach seiner Schätzung allein für die Datenübertragung 25 bis mehr als 60 US-Dollar anfallen, zusätzlich zu einem im Beispiel angesetzten Spielepreis von 80 US-Dollar. Downloadgröße und Spielepreis sind in diesem Rechenbeispiel keine durch einen Herstellerbeleg bestätigten Angaben. Die Kostenspanne beschreibt daher ein mögliches Szenario und keine feststehende Rechnung für alle Käufer. [1] (decrypt.co)
Regionale Kontobeschränkungen verschärfen das Problem
Nach Muhammads Darstellung nutzen Spieler in Nigeria mangels passender regionaler Angebote häufig US-amerikanische oder britische Konten und bezahlen mit ausländischen Guthabenkarten. Sony bestätigt grundsätzlich, dass Gutscheincodes zur Kontoregion passen müssen und sich das registrierte Land nach der Kontoerstellung nicht ändern lässt. [1][3] (decrypt.co)
Die pauschale Aussage des Ausgangsartikels, PlayStation Network werde in Afrika ausschließlich in Südafrika unterstützt, benötigt allerdings eine Einschränkung: Sony bietet beispielsweise Konten für Ägypten an, beschränkt diese laut eigener Supportseite jedoch auf die PC-Nutzung. Eine Anmeldung an PlayStation-Konsolen ist damit nicht möglich. Entscheidend ist deshalb die Unterscheidung zwischen einzelnen Kontodiensten und dem Zugang zum Konsolenangebot. [4] (playstation.com)
Sonys US-Nutzungsbedingungen verlangen korrekte Angaben und die Registrierung im Wohnsitzland. Bei falschen Informationen behält sich das Unternehmen Einschränkungen oder eine Sperrung vor. Die Supportinformationen erläutern außerdem, dass Kontosperren den Zugriff auf bestimmte bereits bezahlte Inhalte verhindern können. Damit ist ein grundsätzliches Zugangsrisiko belegt – nicht jedoch, dass Sony sämtliche Konten mit abweichender Länderangabe automatisch sperrt oder Betroffene zwangsläufig ihre gesamte Bibliothek verlieren. [5][6] (legaldoc.dl.playstation.net)
Sony und PlayStation beantworteten die Anfrage von Decrypt dem Ausgangsbericht zufolge nicht. Wie stark die Umstellung einzelne Einkommensgruppen tatsächlich treffen wird, bleibt bislang eine Prognose. [1] (decrypt.co)
Quellen
- Decrypt: Ryan S. Gladwin, „Sony Axing Game Discs Will Have Outsized Impact on Low-Income Gamers, Experts Say“, 7. November 2026. Übergebener Ausgangsartikel. Originalartikel.
- Sony Interactive Entertainment / PlayStation.Blog: Sid Shuman, „Physical disc production ending in January 2028 for new games releasing on PlayStation consoles“, 1. Juli 2026. Ankündigung.
- PlayStation Support: „How to check your account’s country/region on PlayStation“, ohne ausgewiesenes Veröffentlichungsdatum. Informationen zur Kontoregion.
- PlayStation Support Ägypten: Hinweise zur ausschließlich für PC verfügbaren Kontonutzung, ohne ausgewiesenes Veröffentlichungsdatum. Supportseite.
- Sony Interactive Entertainment: „PlayStation Terms of Service“, US-Fassung, insbesondere Abschnitte 3.1 und 3.2. Nutzungsbedingungen.
- PlayStation Support: „Suspensions on PlayStation“, ohne ausgewiesenes Veröffentlichungsdatum. Informationen zu Sperren und deren Folgen.

