Virgin Media O2 plant umfassende Einsparungen und stoppt eigenen Glasfaser-Umbau
Virgin Media O2 will seine laufenden Kosten bis 2029 um jährlich 800 Millionen Pfund senken und den eigenen Plan zur Umrüstung des Kabelnetzes auf Glasfaser stoppen. Das kündigte Miteigentümer Liberty Global am 3. November 2026 an. Der britische Telekommunikationsanbieter steht nach Kundenverlusten und angesichts hoher Schulden unter Druck; nach einem Guardian-Bericht könnte bis zu ein Viertel der Belegschaft vom Stellenabbau betroffen sein. [1][2] (libertyglobal.gcs-web.com)
Weniger Personalkosten, gezieltere Investitionen
Der neue Strategieplan soll das Geschäft vereinfachen und mehr Mittel für den Schuldenabbau erwirtschaften. Liberty Global nennt dafür eine Senkung der Personalkosten um 30 Prozent. Diese Zielgröße ist nicht mit einer entsprechenden Zahl gestrichener Stellen gleichzusetzen. Der übergebene Ausgangsartikel des Guardian berichtet von einem möglichen Abbau von bis zu einem Viertel der rund 16.000 britischen Arbeitsplätze. Eine verbindliche Stellenzahl geht aus der ausgewerteten Konzernmitteilung nicht hervor. [1][2] (libertyglobal.gcs-web.com)
Auch bei den Investitionen setzt der Konzern neue Prioritäten: Virgin Media O2 will sich auf weniger, besser messbare Projekte konzentrieren. Während das eigene Glasfaser-Umrüstungsprogramm eingestellt werden soll, bleibt die Unterstützung für den Netzbetreiber Nexfibre bestehen. Der angekündigte Schritt bedeutet damit keinen vollständigen Rückzug aus dem Glasfasergeschäft. [2] (libertyglobal.gcs-web.com)
Kundenverluste und hohe Verschuldung
Virgin Media O2 entstand 2021 aus dem Zusammenschluss der britischen Geschäfte von Liberty Global und Telefónica. Laut dem Guardian verlor das Unternehmen innerhalb der vergangenen zwei Jahre 182.000 Breitband- und 644.000 Mobilfunkkunden. Die Zeitung beruft sich dabei auf Enders Analysis und hält zugleich fest, dass die Kundenbestände insgesamt weiterhin über dem Niveau zum Zeitpunkt der Fusion liegen. [1]
Die jüngsten Unternehmenszahlen zeigen weitere Rückgänge: Im dritten Quartal 2026 sank die Zahl der privaten Festnetzkunden um 23.300, die Gesamtzahl der Mobilfunkverbindungen um 49.800. Diese Kennzahlen sind unterschiedlich abgegrenzt und sollten nicht unmittelbar mit den Zweijahresangaben verglichen werden. [3] (news.virginmediao2.co.uk)
Den Schuldenstand beziffert der Guardian auf rund 22 Milliarden Pfund. Für 2026 nennt der Bericht einen erwarteten freien Cashflow von etwa 200 Millionen Pfund; außerdem seien seit der Fusion rund elf Milliarden Pfund in Großbritannien investiert und fünf Milliarden Pfund als Dividenden ausgeschüttet worden. Diese Angaben werden hier dem Ausgangsbericht zugeschrieben; die zugrunde liegenden Einzelbelege wurden nicht gesondert nachvollzogen. [1]
Der Guardian beschreibt den Ausbau konkurrierender Glasfasernetze als wesentlichen Wettbewerbsfaktor. Ein anonym zitierter Branchenmanager sieht daneben erhebliche Probleme bei der Umsetzung der Unternehmensstrategie, unter anderem bei Kundenservice, Abrechnung und IT. Das ist eine Einschätzung des Gesprächspartners, kein unabhängig festgestellter Befund über sämtliche Geschäftsbereiche. Liberty-Global-Chef Mike Fries wies die Einordnung als Krise dem Bericht zufolge zurück. [1]
Belegte Serviceverstöße – aber auch Verbesserungen
Konkrete Verstöße stellte die britische Regulierungsbehörde Ofcom fest. Sie verhängte am 8. Juli 2026 eine Geldbuße von 28 Millionen Pfund gegen Virgin Media. Nach ihrer Untersuchung wurden zwischen dem 1. Januar 2022 und dem 11. September 2024 vermutlich Millionen Kundenanrufe unsachgemäß behandelt, um Kündigungen oder Anbieterwechsel zu verzögern oder zu verhindern. Zu den festgestellten Praktiken gehörten unnötige Weiterleitungen, wiederholte Warteschleifen und absichtlich abgebrochene Gespräche. Virgin Media räumte die Verstöße ein. [4] (ofcom.org.uk)
Die neueren Beschwerdedaten zeichnen allerdings ein differenziertes Bild. Im zweiten Quartal 2026 gehörte Virgin Media neben Plusnet und Sky zu den Breitbandanbietern mit den wenigsten bei Ofcom eingegangenen Beschwerden. Gleichzeitig zählten O2 im Mobilfunk und Virgin Media beim Bezahlfernsehen weiterhin zu den am häufigsten beanstandeten Anbietern. Die am 26. Oktober veröffentlichten Daten belegen somit Verbesserungen im Breitbandbereich, aber keine gleichermaßen gute Entwicklung über alle Sparten hinweg. [5] (ofcom.org.uk)
Quellen
- The Guardian Business: Mark Sweney, „Job cuts, lost customers and a £22bn debt pile: what has gone wrong at Virgin Media O2?“, 7. November 2026, 11:00 Uhr UTC. Übergebener Ausgangsartikel.
- Liberty Global: „Liberty Global Reports Q3 2026 Results“, 3. November 2026.
- Virgin Media O2: „Q3 2026 financial results“, Unternehmensübersicht zum dritten Quartal 2026.
- Ofcom: „Ofcom fines Virgin Media £28m for repeatedly preventing customers from cancelling contracts“, 8. Juli 2026.
- Ofcom: „Latest telecoms and pay-TV complaints revealed“, 26. Oktober 2026; Berichtszeitraum April bis Juni 2026.

