Costco widerspricht Aktien-Token auf OKXICE – Streit um Aktien-Perpetuals vor US-Gericht
Costco gehört zu 67 Unternehmen, die laut einer Mitteilung vom 5. November 2026 dem Handel mit tokenisierten Versionen ihrer Aktien auf der geplanten Plattform OKXICE widersprochen haben. Gleichzeitig bietet Kalshi einen unbefristeten Kontrakt auf den Costco-Aktienkurs an, der keine Aktionärsrechte vermittelt. Ob solche Aktien-Perpetuals unter dem von der US-Derivateaufsicht CFTC gewählten Rechtsrahmen angeboten werden dürfen, ist Gegenstand eines laufenden Gerichtsverfahrens. [1][2][5][6] (cryptoslate.com)
Widerspruch betrifft eine bestimmte Handelsplattform
Die öffentliche Mitteilung von OKXICE nennt unter anderem Costco, Microsoft, Apple und Nvidia als Unternehmen, die dem vorgesehenen Handel widersprochen haben. OKXICE ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Intercontinental Exchange, dem Mutterkonzern der New Yorker Börse NYSE, und der OKX-Gesellschaft OKC USA Holding. Beide halten jeweils 50 Prozent. [2] (okx.com)
Das geplante Modell sieht vor, dass ein Tokenisierungsanbieter über einen registrierten Broker-Dealer für jeden ausgegebenen Token eine zugrunde liegende Aktie verwahrt. Der Token soll einen entsprechenden Wertpapieranspruch repräsentieren. Gehandelt werden soll gegen Zahlungs-Stablecoins in automatisierten Liquiditätspools. Dabei handelt es sich um das in der Mitteilung beschriebene Modell, nicht um einen Nachweis, dass sämtliche vorgesehenen Angebote bereits verfügbar sind. [2] (okx.com)
Grundlage ist eine bedingte Ausnahmeregelung der US-Wertpapieraufsicht SEC vom September 2026. Sie ermöglicht qualifizierten Plattformen den Handel außerhalb der üblichen Börsenregistrierung. Dafür müssen die Token gleichwertige Rechte wie die zugrunde liegende Aktienklasse vermitteln – einschließlich Stimmrechten, Dividenden und Ansprüchen auf verbleibendes Vermögen bei einer Liquidation. Eine bloße Nachbildung des Aktienkurses genügt nicht. [3] (sec.gov)
Bei einer Tokenisierung durch einen nicht mit dem Aktienemittenten verbundenen Dritten muss die Plattform das Unternehmen vorab benachrichtigen. Dieses kann innerhalb von 30 Kalendertagen nach Zugang schriftlich widersprechen. Ein fristgerechter Widerspruch verhindert den Handel des betreffenden Tokens auf dieser Plattform unter der Ausnahmeregelung. Daraus folgt kein allgemeines Verbot sämtlicher tokenisierter Produkte oder anderer Kontrakte auf denselben Aktienkurs. [3] (sec.gov)
Kursbeteiligung ohne Aktienbesitz
Kalshis Aktien-Perpetuals sind anders konstruiert: Anleger handeln einen Kontrakt auf die Kursentwicklung, erwerben aber keine Aktien und erhalten keine Stimmrechte. Long-Positionen profitieren grundsätzlich von steigenden, Short-Positionen von fallenden Kursen. Ein festes Ablaufdatum gibt es nicht. [4] (help.kalshi.com)
Nach Kalshis Produktbeschreibung sollen tägliche Zahlungen zwischen Long- und Short-Positionen, das sogenannte Funding, den Kontraktpreis am Aktienkurs orientieren. Bardividenden werden über vertragliche Geldanpassungen berücksichtigt. Diese Zahlungen begründen keinen Aktienbesitz. Zudem gelten Handelszeiten: Unbefristete Laufzeit bedeutet nicht durchgehende Handelbarkeit. [4] (help.kalshi.com)
Der Ausgangsartikel nennt für den Costco-Kontrakt am 6. November einen angezeigten maximalen Hebel von 4,9. Mit 1.000 US-Dollar Sicherheit entspräche dies einer Kursposition von 4.900 US-Dollar. Ein Kursrückgang um zehn Prozent würde bei einer unveränderten Long-Position rechnerisch 490 US-Dollar Verlust verursachen – vor Gebühren, Funding und weiteren Anpassungen. Eine Zwangsschließung könnte bereits vorher eintreten. Der historische Hebelwert beruht auf der im Ausgangsartikel dokumentierten Momentaufnahme. [1] (cryptoslate.com)
CryptoSlate berichtete außerdem für einen am 6. November 2026 um 13:49 Uhr UTC abgerufenen Datenstand ein rollierendes 24-Stunden-Nominalvolumen von rund 33,023 Millionen US-Dollar beim Costco-Kontrakt. Die Vergleichswerte lagen bei 11,091 Millionen für Qualcomm, 2,905 Millionen für McDonald’s und 2,673 Millionen für Amgen. Diese Angaben betreffen nur vier zum Start genannte Aktienkontrakte; sie messen weder neu eingezahltes Kapital noch die Zahl der Anleger oder eine überwiegend positive Kurserwartung. [1] (cryptoslate.com)
Gericht bezweifelt Zuständigkeit, lehnt sofortigen Handelsstopp aber ab
CFTC-Chef Michael Selig erklärte am 3. November 2026, Aktien-Perpetuals könnten erstmals an entsprechend registrierten US-Handelsplätzen gehandelt werden. Die Produkte seien nach Regulation 40.3 als „Security Futures“ genehmigt worden und unterlägen damit den einschlägigen Regelwerken sowohl der CFTC als auch der SEC. [5] (cftc.gov)
Genau diese Einordnung greift die Capital Markets Alliance Association an. Bundesrichterin Valerie Caproni hielt es in ihrer Entscheidung vom 3. November vorläufig für wahrscheinlich, dass die Klägerseite mit ihrem Einwand gegen die Zuständigkeit der CFTC Erfolg haben werde: Kontrakte ohne zukünftigen Liefertermin schienen nicht unter die gesetzliche Definition eines Security Future zu fallen, sondern unter die Regeln für wertpapierbezogene Swaps. Das war eine vorläufige Einschätzung, kein abschließendes Urteil. [6] (docs.justia.com)
Den beantragten sofortigen gerichtlichen Stopp lehnte Caproni dennoch ab, weil die Klägerseite den dafür erforderlichen drohenden irreparablen Schaden nicht ausreichend nachgewiesen hatte. Die angegriffenen Genehmigungen wurden durch diese Entscheidung somit nicht außer Kraft gesetzt. [6] (docs.justia.com)
ICE verfolgt auch eigene Perpetual-Pläne
Parallel zum Tokenisierungsvorhaben kündigte ICE am 29. Oktober 2026 eine strategische Beteiligung und Zusammenarbeit mit Trade[XYZ] an. Ziel ist, dessen auf Hyperliquid basierende Perpetual-Märkte über eine regulierte Markt- und Clearingstruktur in die USA zu bringen. Die Umsetzung, insbesondere der gehebelte Handel, bleibt von regulatorischen Genehmigungen abhängig. [7] (ir.theice.com)
Die beiden Auseinandersetzungen betreffen damit unterschiedliche Fragen: Bei OKXICE geht es um das Widerspruchsrecht von Aktienemittenten innerhalb einer bestimmten SEC-Ausnahme. Im Perpetual-Verfahren geht es um die rechtliche Einordnung von Kurskontrakten und die Zuständigkeit der Aufsichtsbehörden. Für Anleger entscheidet nicht der bekannte Unternehmensname allein über ihre Rechtsposition, sondern die konkrete Ausgestaltung des gekauften Produkts. [2–6] (okx.com)
Quellen
- CryptoSlate: „Wall Street can stop a tokenized share, but can it stop a stock perp?“, Andjela Radmilac, 7. November 2026, 16:10 Uhr UTC. Übergebener Ausgangsartikel.
- OKXICE: „Public Notice of OKXICE TSV“, 5. November 2026.
- SEC: Bedingte Ausnahmeregelung für Handelsplattformen tokenisierter Aktien, Release No. 34-106402, September 2026.
- Kalshi Help Center: „Single Stock Perpetual Futures on Kalshi“, Produktbeschreibung; kein Veröffentlichungsdatum angegeben.
- CFTC: „Statement on Equity Perpetual Futures“, Michael S. Selig, 3. November 2026.
- U.S. District Court, Southern District of New York: Beschluss in *Capital Markets Alliance Association v. CFTC*, Dokument 11, Valerie Caproni, 3. November 2026; Gerichtsdokument über Justia.
- Intercontinental Exchange: [„Intercontinental Exchange and Trade[XYZ] to Bring Hyperliquid-Based Perpetual Markets Onshore“](https://ir.theice.com/press/news-details/2026/Intercontinental-Exchange-and-TradeXYZ-to-Bring-Hyperliquid-Based-Perpetual-Markets-Onshore/default.aspx), Unternehmensmitteilung, 29. Oktober 2026.

