Ueno-Bank in Paraguay unter Abwicklung: Debatte über USDT als Alternative zu Bankeinlagen
Die Einstellung des Geschäftsbetriebs der Ueno-Bank hat in Paraguay Millionen Kunden zeitweise den Zugang zu ihren Einlagen genommen. BTC-ECHO berichtet am 7. November 2026 über eine gestiegene Nachfrage nach dem Dollar-Stablecoin USDT. Die dabei wiedergegebene Einschätzung von Samson Mow, USDT sei sicherer als Bankguthaben, ist allerdings kein allgemeingültiger Sicherheitsnachweis. [1][2][3] (btc-echo.de)
Geschäftsbetrieb ausgesetzt, Einlagen betroffen
Die paraguayische Zentralbank Banco Central del Paraguay (BCP) ließ den Geschäftsbetrieb der Ueno-Bank am 3. November 2026 aussetzen und ein Abwicklungsverfahren einleiten. Nach einem auf der BCP-Website veröffentlichten Bericht der Ratingagentur FIX SCR war die Solvenzkennziffer auf weniger als die Hälfte des vorgeschriebenen Mindestwerts gefallen. Der Bericht nennt unter anderem Schwächen bei der Qualität der Vermögenswerte, Geschäfte mit verbundenen Unternehmen und Dokumentationsmängel. [2] (bcp.gov.py)
Bloomberg Línea beziffert die Kundenzahl auf etwa 2,9 Millionen. Die Einstellung des Betriebs unterbrach demnach den Zugang zu Konten, Karten und digitalen Bankdiensten. Betroffen waren auch öffentliche Gelder: Nach dem Bericht lagen bei Ueno rund 380 Millionen US-Dollar des staatlichen Sozialversicherungsinstituts IPS. [3] (bloomberglinea.com)
Die blockierten Konten bedeuten jedoch nicht, dass sämtliche Einlagen endgültig verloren sind. FIX SCR verweist auf eine Einlagensicherung bis zu 75 Mindestlöhnen je natürlicher oder juristischer Person. Bloomberg Línea berichtete am 5. November bereits über den Beginn von Vorauszahlungen aus dem Sicherungsfonds. Die pauschale Darstellung, alle Kunden hätten weiterhin keinerlei Zugriff auf ihr Geld, berücksichtigt diese Entwicklung nicht. Wie viel oberhalb der Sicherungsgrenze zurückgezahlt werden kann, hängt vom Abwicklungsverfahren und den verfügbaren Vermögenswerten ab. [2][3] (bcp.gov.py)
Höherer USDT-Kurs ist kein Beleg für das Ausmaß einer Kapitalflucht
Der von BTC-ECHO herangezogene Bericht von CriptoNoticias nennt einen Anstieg des USDT-Wechselkurses von 5.692 Guaraníes am 15. Oktober auf etwas mehr als 6.000 Guaraníes am 4. November 2026. Als Datengrundlage verweist das Portal auf den Kursdienst Exchange-Rates.org. Gleichzeitig sei der US-Dollar im Interbankenhandel innerhalb von 25 Tagen um 6,43 Prozent auf rund 6.060 Guaraníes gestiegen. [4] (criptonoticias.com)
CriptoNoticias deutet die Entwicklung als verstärkte Suche nach Dollar-Anlagen und schreibt USDT einen Teil dieser Nachfrage zu. Die genannten Wechselkurse allein zeigen allerdings weder, wie viele Menschen tatsächlich Bankguthaben in USDT umgeschichtet haben, noch welches Volumen dabei bewegt wurde. Der Bericht enthält dazu keine Transaktions- oder Handelsvolumendaten. Auch eine vergleichbar starke Flucht in Bitcoin wird darin nicht mit Zahlen belegt. [4] (criptonoticias.com)
Mows Sicherheitsvergleich hat Grenzen
BTC-ECHO gibt eine auf X veröffentlichte Einschätzung des Bitcoin-Befürworters Samson Mow wieder. Demnach betrachtet Mow USDT wegen seiner Reservedeckung und der Möglichkeit zur eigenen Schlüsselverwahrung als sicherer als Bankeinlagen. Dollar-Token seien für viele Menschen in Lateinamerika ein praktischer Zugang zum US-Dollar und könnten zugleich den Einstieg in Bitcoin erleichtern. Der verlinkte X-Beitrag war bei der Recherche nicht direkt zugänglich; die Wiedergabe seiner Aussagen stützt sich daher auf den Ausgangsartikel. [1] (btc-echo.de)
Für die Einordnung ist entscheidend, dass eigene Schlüsselverwahrung USDT nicht von seinem Herausgeber unabhängig macht. Tether behält sich in seinen Nutzungsbedingungen ausdrücklich vor, Token einzufrieren und Adressen zu sperren. Außerdem erklärt das Unternehmen, dass USDT keiner staatlichen Einlagensicherung oder vergleichbaren Absicherung unterliegt. [5] (tether.to)
Tether beschreibt die umlaufenden Token als vollständig durch Reserven gleichen Werts gedeckt. Diese Reserven bestehen laut den Bedingungen jedoch nicht ausschließlich aus Bargeld, sondern können auch andere Vermögenswerte und Forderungen enthalten. Die Aussage über die Deckung ist damit eine Erklärung des Emittenten – keine Garantie gegen Verluste oder Zugriffsbeschränkungen. Mows pauschaler Vergleich lässt diese Unterschiede zwischen Bankeinlagen und USDT außer Betracht. [5] (tether.to)
Quellen
- BTC-ECHO, Tobias Zander: „Bitcoin-Experte über die Paraguay-Krise: ‘USDT ist sicherer als Geld auf der Bank’“, 7. November 2026, 16:32 Uhr UTC. Übergebener Ausgangsartikel.
- FIX SCR, veröffentlicht auf der Website der Banco Central del Paraguay: „UENO Bank S.A.“ – Ratingbericht zum Abwicklungsverfahren.
- Bloomberg Línea, Fátima Romero: „Crisis de Ueno Bank en Paraguay: qué pasará con el dinero de los clientes y cómo podrán cobrarlo“, 5. November 2026.
- CriptoNoticias, Nicolás Antiporovich: „Sube USDT en Paraguay en medio de crisis bancaria y el ‘corralito’ de Ueno Bank“, 4. November 2026. Von BTC-ECHO herangezogene Quelle; keine davon unabhängige Bestätigung.
- Tether: „Token Terms of Sale and Service“, zuletzt aktualisiert am 26. Februar 2026; insbesondere Regelungen zu Reserven, Sperrmöglichkeiten und fehlender Einlagensicherung.

