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Sieben Festnahmen bei Ermittlungen gegen internationales Anlagebetrugsnetzwerk

Eine Strafanzeige eines Ehepaars aus dem Kieler Umland führte Ermittler zu einem mutmaßlichen internationalen Anlagebetrugsnetzwerk. Am 3. November 2026 durchsuchten Behörden in sechs Ländern 17 Standorte und stellten mehr als 100 Server sicher. Im Mittelpunkt steht inzwischen ein Unternehmen, das anderen Tätergruppen betrügerische Handelsplattformen und Geldwäschestrukturen bereitgestellt haben soll. [2][3] (aktuell.meinestadt.de)

Von der gescheiterten Auszahlung zur internationalen Ermittlung

Das Ehepaar hatte seine Ersparnisse auf einer vermeintlichen Online-Trading-Plattform angelegt. Als es sich die angezeigten Gewinne auszahlen lassen wollte, erhielt es kein Geld und erstattete Anzeige. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Itzehoe und des Landeskriminalamts Schleswig-Holstein war dies der Ausgangspunkt des Verfahrens. Die Ermittler untersuchten zunächst das Empfängerkonto der Überweisungen und stießen auf eine international agierende Gruppe. Wie viel Geld das Paar verlor, ist laut dem übergebenen Ausgangsartikel von BTC-ECHO nicht veröffentlicht worden. [1][2][5] (btc-echo.de)

Die Behörden beschreiben ein Vorgehen, bei dem vermeintliche Handelsplattformen hohe Gewinne mit Kryptowährungen, Devisen oder Aktien versprechen. Nach zunächst kleineren Einzahlungen erscheinen auf den Benutzerkonten angebliche Kursgewinne. Personen, die sich als Broker ausgeben, sollen anschließend auch mit psychischem Druck zu höheren Überweisungen gedrängt haben. Auszahlungswünsche seien dagegen durch Ausreden und Verzögerungen abgewehrt worden. Die angezeigten Gewinne waren demnach kein Nachweis tatsächlich erfolgreicher Anlagen. [2][5] (aktuell.meinestadt.de)

Frühere Zugriffe und Millionenschäden

Ein erster internationaler Zugriff fand am 6. September 2022 statt. Dabei wurden zwölf Standorte in Belgien und Lettland durchsucht und zwei Verdächtige in Belgien festgenommen. Sie standen im Verdacht, als Verfügungsberechtigte über Empfängerkonten Geldwäsche für die Plattformbetreiber ermöglicht zu haben. [4][5] (eurojust.europa.eu)

Eurojust berichtete damals von mehr als 100 identifizierten Geschädigten aus elf Ländern. Mehr als die Hälfte stammte aus Deutschland. Allein die deutschen Betroffenen hatten nach damaligem Ermittlungsstand rund 4,3 Millionen Euro überwiesen; mindestens 700.000 Euro davon waren auf Konten der beiden Verdächtigen eingegangen. Diese Zahlen beschreiben den Stand der Ermittlungen von September 2022, nicht eine abschließende Gesamtschadenssumme des später aufgedeckten Netzwerks. [4] (eurojust.europa.eu)

Am 13. Mai 2025 folgten acht Durchsuchungen in Albanien, Zypern und Israel sowie sechs Vernehmungen. Auf Zypern wurde ein weiterer Verdächtiger festgenommen. Nach Angaben der deutschen Behörden wurden inzwischen drei Personen aus früheren Ermittlungsphasen nach Deutschland ausgeliefert und zu Freiheitsstrafen zwischen drei und fünf Jahren verurteilt. Diese Urteile sind von den sieben Festnahmen im November 2026 zu unterscheiden. [2][5] (eurojust.europa.eu)

Verdacht gegen einen Dienstleister für Betrugsplattformen

Die Auswertung der 2025 sichergestellten Beweismittel führte laut den Ermittlern zu einem Unternehmen mit Sitz auf Zypern und in Israel. Es soll verschiedenen Tätergruppen betrügerische Internetseiten und Geldwäschenetzwerke zur Verfügung gestellt haben. Die Behörden bezeichnen dieses mutmaßliche Geschäftsmodell als „Crime-as-a-Service“: Nicht jede Gruppe müsste danach die gesamte Infrastruktur selbst aufbauen, sondern könnte entsprechende Leistungen eines spezialisierten Anbieters nutzen. [2][3] (aktuell.meinestadt.de)

Der Zugriff vom 3. November richtete sich gegen mutmaßliche Beteiligte und die eingesetzte Infrastruktur in Israel, Albanien, Kosovo, Zypern, Nordmazedonien und Finnland. Neben den Servern wurden weitere Beweismittel und Vermögenswerte gesichert sowie zahlreiche Webseiten abgeschaltet. Die sieben Festgenommenen sollen nach Deutschland überstellt beziehungsweise ausgeliefert werden. Die Maßnahmen belegen noch keine individuelle Schuld der Beschuldigten. [2][3] (aktuell.meinestadt.de)

Die Staatsanwaltschaft Itzehoe führt das Verfahren gemeinsam mit dem Landeskriminalamt Schleswig-Holstein. Eurojust koordinierte die justiziellen Maßnahmen von Den Haag aus. Europol unterstützte die Analyse und entsandte Fachleute nach Albanien und Kosovo, um elektronische Beweismittel vor Ort auszuwerten und Datenabgleiche vorzunehmen. [2][3] (aktuell.meinestadt.de)

Rückzahlungen bleiben offen

Wie viel Geld den Geschädigten zurückgegeben werden kann, ist bislang nicht beziffert. Die deutsche Behördenmitteilung nennt zwar sichergestellte Vermögenswerte, veröffentlicht aber weder deren Gesamtwert noch eine erwartete Rückerstattungsquote. Im Mittelpunkt der weiteren Ermittlungen steht zunächst die Auswertung des elektronischen Beweismaterials. [2] (aktuell.meinestadt.de)

Der von BTC-ECHO befragte Albert Quehenberger von AQ Forensics weist darauf hin, dass die technische Nachverfolgbarkeit von Kryptotransaktionen nicht automatisch eine Rückzahlung ermöglicht. Nach seiner Darstellung können dafür die Identifizierung und Sicherung von Vermögenswerten sowie weitere rechtliche Schritte erforderlich sein. Zugleich warnt er vor angeblichen Rückholdiensten, die garantierte Erstattungen versprechen und Geschädigte zu zusätzlichen Zahlungen bewegen wollen. Diese Einordnung stammt aus dem Interview im Ausgangsartikel und ist keine Zusage zum Ausgang des konkreten Verfahrens. [1] (btc-echo.de)

Quellen

  1. BTC-ECHO – Jan-Malte Minnerup: „Wie ein deutsches Ehepaar ein internationales Krypto-Betrugsnetzwerk auffliegen ließ“, veröffentlicht am 7. November 2026. Übergebener Ausgangsartikel.
  2. Staatsanwaltschaft Itzehoe und Landeskriminalamt Schleswig-Holstein: „Internationaler ‚Action Day‘ gegen Cybertrading-Betrug: Durchsuchungen und Festnahmen in sechs Ländern“, gemeinsame Pressemitteilung vom 3. November 2026; gelesen in der ots-Übernahme bei meinestadt.de.
  3. Eurojust: „International investment fraud scheme dismantled: seven arrests“, Pressemitteilung vom 3. November 2026.
  4. Eurojust: „Takedown of online investment fraud responsible for losses of several million euros“, Pressemitteilung vom 7. September 2022.
  5. Eurojust: „International coalition uncovers EUR 3 million online investment fraud“, Pressemitteilung vom 13. Mai 2025.