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Professorin blockiert Lieferroboter in Philadelphia aus Protest gegen ihre Nutzung öffentlicher Gehwege

Die Kommunikationswissenschaftlerin Carolyn Marvin stellt sich in Philadelphia wiederholt Essenslieferrobotern in den Weg. Damit protestiert sie gegen die kommerzielle Nutzung öffentlicher Gehwege und mögliche Folgen für Beschäftigte und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Nach ihrer Darstellung führte eine der Aktionen zu einem Polizeieinsatz und einem Vorwurf wegen „disorderly conduct“. Das berichtet der Guardian in einer am 7. November 2026 veröffentlichten Reportage. [1]

Protest durch Stillstand

Die 78-jährige, teilweise im Ruhestand befindliche Professorin der University of Pennsylvania richtet ihre Aktionen gegen Lieferroboter des Unternehmens Avride, die in Philadelphia unter anderem Bestellungen für Uber Eats transportieren. Marvin stellt sich vor die Geräte und verhindert so deren Weiterfahrt. Sie will damit eine Debatte darüber anstoßen, wer über die Nutzung öffentlicher Infrastruktur entscheidet. [1]

Guardian-Autorin Arwa Mahdawi begleitete Marvin bei einer solchen Aktion auf der Walnut Street. Ihrer Schilderung zufolge versuchte der Roboter mehrfach, die Professorin zu umfahren, blieb schließlich jedoch stehen. Nachdem Marvin den Weg wieder freigegeben hatte, fuhr das Gerät zurück zu seinem Ausgangspunkt. Das genaue Datum dieser beobachteten Blockade nennt der Ausgangsartikel nicht. [1]

Die Reportage beschreibt unterschiedliche Reaktionen: Einige Passanten unterstützten Marvin ausdrücklich. Bei einer früheren Aktion kritisierten andere, dass sie Menschen daran hindere, ihr bereits bestelltes und bezahltes Essen zu erhalten. Diese Begegnungen dokumentieren einzelne Reaktionen, erlauben aber keine Aussage darüber, wie die Bevölkerung Philadelphias insgesamt zu Lieferrobotern steht. [1]

Polizeieinsatz nach einer früheren Blockade

Marvin berichtete dem Guardian, bei einer vorausgegangenen Aktion hätten drei Polizeikräfte sie aufgefordert, den Weg freizumachen. Als sie sich geweigert habe, sei sie in Handschellen zu einem Polizeiwagen gebracht worden. Anschließend habe sie einen Bescheid wegen „disorderly conduct“, also ordnungsstörenden Verhaltens, erhalten. Als Begründung sei die Behinderung eines Geschäftsbetriebs genannt worden. [1]

Zum Zeitpunkt der Berichterstattung wartete Marvin nach eigenen Angaben auf einen Gerichtstermin und wollte gegen den Vorwurf vorgehen. Sie beruft sich auf die durch den ersten Zusatzartikel zur US-Verfassung geschützte Protestfreiheit. Eine gerichtliche Entscheidung darüber, ob ihre konkrete Blockade davon gedeckt ist, enthält der Ausgangsartikel nicht. Auch eine polizeiliche Stellungnahme oder ein Verfahrensdokument wird darin nicht angeführt; die Schilderung des Einsatzes beruht auf Marvins Darstellung. [1]

Gesetz erlaubt Lieferroboter unter Auflagen

Pennsylvania schuf mit dem am 1. November 2020 verabschiedeten Act 106 einen gesetzlichen Rahmen für sogenannte „Personal Delivery Devices“. Das Gesetz nahm solche Geräte in die verkehrsrechtliche Definition von Fußgängern auf, knüpfte ihren Betrieb aber zugleich an eine behördliche Genehmigung und besondere Anforderungen. [2] (legis.state.pa.us)

Dazu gehört, dass die Geräte Fußgängern und Radfahrenden in Fußgängerbereichen Vorrang gewähren oder sicher um sie herum navigieren müssen. Kommunen können ihren Einsatz auf bestimmten Flächen untersagen, wenn sie nach Rücksprache mit dem Betreiber eine Gefährdung feststellen. Die gesetzliche Einordnung bedeutet somit keine uneingeschränkte Erlaubnis zur Nutzung sämtlicher Gehwege. [2] (legis.state.pa.us)

Streit um Platz, Arbeit und Akzeptanz

Marvin begründet ihren Protest mit möglichen Arbeitsplatzverlusten und Hindernissen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Konkrete Nachweise für durch Avride verursachte Arbeitsplatzverluste oder eine bezifferte Unfallbelastung in Philadelphia liefert die Reportage jedoch nicht. Ihre Aussagen sind deshalb als Befürchtungen und politische Kritik einzuordnen, nicht als nachgewiesene Folgen des örtlichen Betriebs. [1]

Avride erklärte gegenüber dem Guardian, die Zahl seiner Roboter in Philadelphia schwanke je nach Nachfrage; eine genaue lokale Flottengröße nannte das Unternehmen nicht. Laut Ausgangsartikel gab Avride zugleich an, insgesamt fast 1.000 Lieferroboter an mehr als 25 Hochschulstandorten sowie in mehreren Städten zu betreiben. Diese Größenangaben stammen aus der Unternehmensdarstellung. [1]

Auch die Gestaltung der Geräte ist Teil der Auseinandersetzung um ihre Akzeptanz: Nach Angaben von Avride sollen die gesichtsähnlichen Bildschirmanzeigen dazu beitragen, dass Menschen sich in ihrer Nähe wohlfühlen. Marvin lehnt Roboter nach eigener Aussage nicht grundsätzlich ab. Ihr Protest richtet sich vielmehr gegen ihren Einsatz im öffentlichen Raum – und gegen die Vorstellung, dessen Ausweitung sei unvermeidlich. [1]

Quellen

  1. The Guardian / übergebener Ausgangsartikel: Arwa Mahdawi, „Standing in the way of slop bowls: the woman blocking food delivery robots“, veröffentlicht am 7. November 2026, 14:00 Uhr UTC.

Originalartikel beim Guardian

  1. General Assembly of Pennsylvania: „Act of Nov. 1, 2020, P.L. 1064, No. 106 – Vehicle Code: Personal Delivery Devices and Making Editorial Changes“, verabschiedet am 1. November 2020, insbesondere §§ 102, 8512, 8516 und 8517.

Gesetzestext bei der General Assembly of Pennsylvania