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Britische Behörden berichten über Mehrarbeit durch KI-generierte Beschwerden

Kommunalverwaltungen und Abgeordnetenbüros im Vereinigten Königreich sehen sich nach einem Bericht des Guardian vom 8. November 2026 zunehmend mit langen, mutmaßlich KI-generierten Schreiben konfrontiert. Beschäftigte schildern einen wachsenden Prüfaufwand durch Wiederholungen, unklare Forderungen und fehlerhafte Rechtsverweise. Wie groß der landesweite Anteil solcher Schreiben ist, lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht bestimmen. [1]

Schnell erstellt, aufwendig zu bearbeiten

Die im Guardian beschriebenen Beschwerden betreffen unter anderem Bauvorhaben, Parkentscheidungen, Sozialleistungen und die Müllabfuhr. Das Problem liegt nach Aussagen der befragten Beschäftigten nicht allein in der Zahl der Eingaben: Mithilfe von Chatbots lassen sich binnen kurzer Zeit umfangreiche Schreiben erstellen, deren Inhalt anschließend von Mitarbeitern gelesen, eingeordnet und beantwortet werden muss. Der Ausgangsartikel bezeichnet diese Überlastung als „AI clog“. [1]

Hollie Wickens, eine erfahrene Sachbearbeiterin im Büro eines Labour-Abgeordneten, schätzt gegenüber dem Guardian, dass inzwischen etwa die Hälfte der eingehenden E-Mails in irgendeiner Form mit KI erstellt werde. Die Anliegen seien dadurch komplexer und zeitaufwendiger zu bearbeiten. Dabei handelt es sich um ihre Einschätzung für das eigene Arbeitsumfeld, nicht um eine repräsentative Erhebung. [1]

Auch Deborah Evans, Geschäftsführerin des Verbands Lawyers in Local Government, berichtet von erheblich längeren Beschwerden. Früher hätten diese im Durchschnitt etwa zwei Seiten umfasst; inzwischen sei die Mehrheit nach ihrer Einschätzung ungefähr zehnmal so lang. Als Extremfall nennt sie ein rund 200 Seiten umfassendes Schreiben. Eine statistische Grundlage für diese Größenordnungen nennt der Ausgangsartikel nicht. [1]

Fehlerhafte Rechtsverweise erschweren die Prüfung

Evans zufolge formulieren KI-Werkzeuge alltägliche Beschwerden mitunter wie juristische Ansprüche. Dabei könnten sie Gesetze oder Gerichtsentscheidungen anführen, die für die zuständige Rechtsordnung nicht einschlägig seien, oder nicht existierende Belege erzeugen. Der Personalberater Jim Moore von Hamilton Nash schildert zudem Schreiben, die Vorfälle ausführlich und zugespitzt darstellten, ohne klar zu benennen, welche Lösung die beschwerdeführende Person anstrebe. Beide beschreiben Erfahrungen aus ihrer beruflichen Praxis. [1]

Die Zuordnung einzelner Schreiben zu KI beruht im Bericht häufig auf Vermutungen der Empfänger, etwa wegen ungewöhnlicher Länge, bestimmter Formulierungen oder Aufzählungen. Ein überprüfter Nachweis der KI-Nutzung wird für diese Fälle nicht vorgelegt. Entsprechend bleibt offen, welcher Teil des zusätzlichen Aufwands tatsächlich auf Chatbots zurückgeht. [1]

Für die Londoner Verkehrsbehörde Transport for London nennt der Guardian 4.769 Informationsfreiheitsanfragen im Geschäftsjahr 2025/26. Das seien fünf Prozent mehr als beim bisherigen Höchststand 2023/24. Unter Berufung auf Unterlagen des Prüfungs- und Kontrollausschusses berichtet die Zeitung außerdem von mehr Überprüfungsanträgen, die vermutlich KI-generiert seien und technische, teilweise unzutreffende Behauptungen enthielten. Die Gesamtzahl der Anfragen weist jedoch nicht aus, wie viele davon mit KI verfasst wurden. [1]

Mehr Arbeitsgerichtsverfahren – aber kein belegter KI-Effekt

Auch Arbeitgeber berichten im Ausgangsartikel von mutmaßlich KI-gestützten Eingaben. Unabhängig davon bestätigt die veröffentlichte Statistik des britischen Justizministeriums einen Anstieg arbeitsgerichtlicher Einzelverfahren: Von April bis Juni 2026 gingen rund 14.000 Einzelklagen ein, 28 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Ende Juni waren rund 70.000 Einzelverfahren offen; die Zahl der erledigten Fälle sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sechs Prozent. [2] (gov.uk)

Diese Statistik erfasst jedoch nicht, ob Schriftsätze mithilfe von Chatbots entstanden. Sie belegt damit die gestiegene Verfahrensbelastung, aber keinen ursächlichen Zusammenhang mit KI. [2] (gov.uk)

Zwischen Zugangshilfe und zusätzlicher Belastung

Die im Guardian befragte Büroleiterin des Labour-Abgeordneten Graeme Downie, Vonnie Sandlan, erkennt zugleich einen Nutzen: KI könne Menschen unterstützen, denen das Verfassen eines Anliegens sonst schwerfalle. Ihr Büro habe allerdings entschieden, automatisierte E-Mail-Kampagnen nicht mehr zu beantworten, um sich auf individuelle Anliegen aus dem Wahlkreis zu konzentrieren. [1]

Einige Verwaltungen erwägen laut Ausgangsartikel, KI selbst zur Entlastung einzusetzen. Wiltshire Council prüfe etwa Werkzeuge, die lange E-Mails zusammenfassen und erste Antwortentwürfe erstellen. Evans berichtet außerdem von einzelnen Ombudsstellen, die Wortgrenzen oder stärker begrenzte Onlineformulare einführen. Solche Maßnahmen sind als lokale Ansätze beschrieben, nicht als landesweit geltende Regelung. [1]

Nach Darstellung des Guardian mahnt die Informationsaufsicht ICO zugleich, dass auch offenbar KI-verfasste Informationsanfragen mit Ungenauigkeiten bearbeitet werden müssen. Die entsprechende ICO-Leitlinie war beim direkten Abruf nicht zugänglich; diese Aussage stützt sich daher auf den übergebenen Ausgangsartikel. [1]

Quellen

  1. The Guardian / The Guardian Business: Joanna Partridge, „‘AI clog’: UK public bodies battle onslaught of chatbot-generated complaints“, veröffentlicht am 8. November 2026, 08:00 Uhr UTC. Grundlage ist der vollständig übergebene Ausgangsartikel.

Originalartikel

  1. Britisches Justizministerium: „Tribunal Statistics Quarterly: April to June 2026“, veröffentlicht am 10. September 2026, aktualisiert am 20. Oktober 2026, insbesondere Abschnitt 6 zu Arbeitsgerichtsverfahren.

Amtlicher Statistikbericht