Zentralbanken kaufen im dritten Quartal mehr Gold als Schmuckkunden
Zentralbanken und andere öffentliche Institutionen haben im dritten Quartal 2026 nach Schätzung des World Gold Council netto 321 Tonnen Gold erworben. Damit lagen ihre Käufe über dem weltweiten Schmuckverbrauch von 313 Tonnen. Der Wert der gesamten Goldnachfrage stieg auf 188 Milliarden US-Dollar – obwohl die nachgefragte Menge leicht sank. Im Oktober fiel der Goldpreis trotz weiterer Zuflüsse in Goldfonds. [2][3] (china.gold.org)
Höhere Ausgaben, aber weniger nachgefragtes Gold
Die am 3. November veröffentlichten Daten des World Gold Council (WGC) zeigen eine Verschiebung zwischen den Käufergruppen. Die weltweite Goldnachfrage einschließlich außerbörslicher Geschäfte belief sich von Juli bis September auf 1.369 Tonnen, ein Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Ihr Dollarwert erhöhte sich dagegen um 22 Prozent. Ausschlaggebend war das höhere Preisniveau: Der durchschnittliche Goldpreis lag mit 4.262 US-Dollar je Feinunze 23 Prozent über dem Vorjahreswert. [2] (china.gold.org)
Die Nachfrage nach Schmuck sank um 17 Prozent auf 313 Tonnen – den niedrigsten Wert für ein drittes Quartal in der seit 2000 geführten WGC-Datenreihe. Bei Barren und Münzen ging sie um 19 Prozent auf 268 Tonnen zurück. Dem standen um 42 Prozent gestiegene Nettokäufe öffentlicher Institutionen sowie ein Bestandszuwachs physisch besicherter Gold-ETFs von 211 Tonnen gegenüber. Letztere hatten im zweiten Quartal noch Nettoabflüsse verzeichnet. [2] (china.gold.org)
Die Kategorien erlauben allerdings keine saubere Trennung zwischen privaten und institutionellen Anlegern: Auch Privatpersonen investieren über ETFs, während Institutionen physisches Gold halten können. Darauf weist der übergebene Ausgangsartikel von CryptoSlate hin. [1] (cryptoslate.com)
Ein großer Teil der offiziellen Nachfrage bleibt geschätzt
Von den geschätzten 321 Tonnen offizieller Nettokäufe waren dem WGC zufolge rund 120 Tonnen durch veröffentlichte Länderangaben erfasst. Die Differenz von etwa 201 Tonnen entspricht knapp 63 Prozent der Gesamtschätzung. Sie ist kein zusätzlicher Nachfrageposten, sondern Bestandteil dieser Summe. [3] (gold.org)
Der WGC erklärt, dass verspätete Meldungen oder nicht offengelegte Transaktionen diese Lücke verursachen können. Die Schätzung kann deshalb nachträglich revidiert werden. Aus der Differenz allein lässt sich weder auf bestimmte Käufer noch auf koordinierte geheime Käufe schließen. Unter den veröffentlichten Angaben führten China mit rund 63 Tonnen und Polen mit rund 40 Tonnen die Käuferliste an. Für die ersten neun Monate 2026 schätzt der WGC die offiziellen Nettokäufe auf 675 Tonnen, sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. [3] (gold.org)
Goldpreis fällt trotz Nachfrage aus Fonds
Zum letzten Geschäftstag im Oktober, dem 30. Oktober 2026, weist der WGC einen Goldpreis von 3.913 US-Dollar je Feinunze aus. Das entsprach einem Monatsverlust von 6,3 Prozent. Gleichzeitig verzeichneten globale Gold-ETFs einen Nettozuwachs von 19 Tonnen. Zuflüsse und fallende Preise traten somit nebeneinander auf. Als mögliche Erklärungen für den Preisrückgang nennt der WGC unter anderem den Abbau spekulativer Positionen und veränderte Erwartungen an die US-Geldpolitik. Das sind analytische Erklärungsansätze, keine abschließend nachgewiesenen Ursachen. [4] (gold.org)
Die im CryptoSlate-Titel genannte Entfernung von rund 25 Prozent zum Höchststand erfordert eine Einschränkung: Der WGC verwendet diese Größenordnung für den Spotpreis. Seine Tabelle zum LBMA-Nachmittagsbenchmark nennt dagegen einen Rekordwert von 5.405 US-Dollar am 29. Januar 2026. Gegenüber diesem Referenzwert lag der ausgewiesene Oktoberstand rechnerisch rund 28 Prozent niedriger. Die Angaben beruhen damit nicht auf einer durchgehend einheitlichen Preisreferenz. [1][4] (cryptoslate.com)
Bitcoin: ebenfalls Fondskäufe, aber andere Kursentwicklung
Auch Bitcoin erhielt im dritten Quartal Nachfrage über börsengehandelte Produkte. Nach einer Analyse von 21Shares legte der Bitcoinpreis in diesem Zeitraum um 42,7 Prozent auf rund 83.570 US-Dollar zu. US-Spot-ETFs erhöhten ihre Bestände um etwa 79.800 Bitcoin. Im Oktober verlor Bitcoin laut dem anschließenden Monatsbericht jedoch 7,3 Prozent und schloss bei rund 77.500 US-Dollar. [5][6] (21shares.com)
Die parallelen Oktoberverluste belegen weder eine dauerhafte Korrelation noch eine gemeinsame Ursache. Ebenso lassen sich globale Goldfonds und ausschließlich US-amerikanische Bitcoin-Spot-ETFs nicht unmittelbar als konkurrierende Kapitalströme vergleichen. Die Daten zeigen vielmehr, dass zusätzliche Fondskäufe allein keine bestimmte Kursentwicklung garantieren. [1] (cryptoslate.com)
Quellen
- CryptoSlate, Andjela Radmilac: „Gold is still 25% below its peak even as demand reaches $188B in Q3“, 8. November 2026, 11:20 Uhr UTC. Übergebener Ausgangsartikel.
- World Gold Council: „Gold Demand Trends: Q3 2026“, 3. November 2026; ergänzend die zugehörige Pressemitteilung auf Chinesisch.
- World Gold Council: „Gold Demand Trends: Q3 2026 – Central Banks“, 3. November 2026.
- World Gold Council, Johan Palmberg: „Gold Market Commentary: Where floor art thou?“, 5. November 2026; Preistabelle mit Stand 30. Oktober 2026.
- 21Shares: „Bitcoin’s Q3 2026: ETF inflows replaced treasury company buying“, 2. November 2026.
- 21Shares: „Bitcoin post-Binance hack: What recovery needs in November“, 3. November 2026.

