Cisco sicherte laut geleakten Dokumenten Geschäfte mit Israels Militär während des Gaza-Kriegs
Cisco hat nach Recherchen des Guardian während des Gaza-Kriegs erhebliche Anstrengungen unternommen, um technische Probleme bei israelischen Militärgeheimdiensten zu beheben und Geschäftsbeziehungen auszubauen. Der am 7. November 2026 veröffentlichte Bericht stützt sich auf interne Unternehmensunterlagen. Sie sollen auch zeigen, dass die Cisco-Tochter Splunk eine Beteiligung am Cloudprojekt Nimbus anstrebte. Ob daraus ein Auftrag entstand, ist offen. [1] (theguardian.com)
Netzwerkausfälle gefährdeten die Kundenbeziehung
Im Mittelpunkt der Recherche stehen wiederholte Störungen der digitalen Infrastruktur israelischer Nachrichtendienste. Laut dem übergebenen Ausgangsartikel kam es bei Modernisierungsarbeiten zu mehrstündigen Ausfällen und Systemabstürzen. Ein interner Memoentwurf von September 2025 beschrieb demnach erhebliche Beeinträchtigungen wichtiger Abläufe während des Krieges. Verantwortliche auf israelischer Seite hätten angesichts der Probleme mit einem Ende der Geschäftsbeziehung gedroht. [1] (theguardian.com)
Cisco habe daraufhin leitende Beschäftigte und mehrere Teams über Monate zur Fehlerbehebung eingesetzt. Dazu gehörten nach Darstellung des Guardian Besuche bei der israelischen Militäreinheit Sapir unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Eine interne Präsentation habe die Wiederherstellung des regulären Betriebs und der Kundenzufriedenheit anschließend als erfolgreiche Kundenbetreuung dargestellt. Die beschriebenen Arbeiten erstreckten sich dem Bericht zufolge über den Zeitraum von 2024 bis zum Sommer 2025. [1] (theguardian.com)
Die Unterlagen bezeichneten den Kunden als „Israel Intelligence Force“, abgekürzt IIF. Der Guardian vermutet dahinter den israelischen Militärnachrichtendienst Aman; eine eindeutige Zuordnung ergibt sich aus dem Ausgangsartikel jedoch nicht. [1] (theguardian.com)
Rund 67 Millionen US-Dollar Geschäftsvolumen
Nach einem Dokument aus dem Jahr 2025, das der Guardian nach eigenen Angaben eingesehen hat, brachten allein Verträge mit israelischen Militärgeheimdiensten Cisco innerhalb von drei Jahren ein Geschäftsvolumen von rund 67 Millionen US-Dollar. Welche drei Kalender- oder Geschäftsjahre die Angabe genau umfasst, erläutert der Ausgangsartikel nicht. Die Zahl beruht auf der Dokumentenauswertung der Zeitung; ein separat zugänglicher Originalbeleg liegt diesem Bericht nicht vor. [1] (theguardian.com)
Weitere interne Unterlagen sollen Dutzende Geschäftsvorhaben zeigen, an denen Cisco 2026 mit israelischen staatlichen Kunden arbeitete, darunter Nachrichtendienste, Luftwaffe und Marine. Viele seien intern mit einem KI-Bezug gekennzeichnet gewesen. Daraus geht nicht hervor, dass sämtliche Vorhaben zu abgeschlossenen Verträgen wurden. [1] (theguardian.com)
Auch Führungskräfte der Cisco-Tochter Splunk hätten versucht, sich am Projekt Nimbus zu beteiligen. Dabei handelt es sich laut Ausgangsartikel um das Cloudgeschäft der israelischen Regierung mit Google und Amazon. Die berichteten Unterlagen belegen nach Darstellung des Guardian eine Geschäftsanbahnung, lassen den Ausgang aber offen. [1] (theguardian.com)
Kritik von Beschäftigten und Forderung nach Menschenrechtsprüfung
Die Gruppe Bridge to Humanity, der gegenwärtige und ehemalige Cisco-Beschäftigte angehören, kritisierte gegenüber dem Guardian einen Widerspruch zwischen den öffentlich vertretenen Unternehmenswerten und der Zusammenarbeit mit Israels Militär. Ihre weitergehende Anschuldigung, Cisco unterstütze dadurch einen Völkermord, ist als Vorwurf der Gruppe zu verstehen – nicht als durch die beschriebenen Geschäftsunterlagen festgestellte rechtliche Verantwortung. [1] (theguardian.com)
Cisco beantwortete nach Angaben des Guardian dessen Anfrage zu der Recherche nicht. Das israelische Militär erklärte der Zeitung, es nutze Dienstleistungen verschiedener Unternehmen, äußere sich aber nicht zu konkreten Verträgen oder Leistungen anderer Anbieter. [1] (theguardian.com)
Eine Forderung von Aktionären nach einer unabhängigen Menschenrechtsprüfung ist dagegen in Ciscos öffentlich zugänglichen Hauptversammlungsunterlagen dokumentiert. Der von Azzad Asset Management federführend eingebrachte Antrag verlangt eine Untersuchung schwerwiegender und vorhersehbarer Risiken bei besonders risikobehafteten Kunden und Einsatzbereichen – einschließlich militärischer, nachrichtendienstlicher und überwachungsbezogener Anwendungen. Er verweist dabei ausdrücklich auf Bedenken zu Geschäftsbeziehungen mit israelischen staatlichen Stellen. [2] (sec.gov)
Ciscos Verwaltungsrat empfiehlt, den Antrag abzulehnen. Das Unternehmen verweist auf bestehende menschenrechtliche Sorgfaltsprüfungen, interne und externe Fachkenntnisse sowie seine Berichterstattung. Ein zusätzlicher Bericht würde nach Auffassung des Gremiums keinen wesentlichen Mehrwert für Aktionäre schaffen. Diese Stellungnahme betrifft den Aktionärsantrag; sie beantwortet nicht die einzelnen Angaben aus den geleakten Dokumenten. [2] (sec.gov)
Beim Abstimmungstermin weichen die Quellen voneinander ab: Während der Guardian eine Hauptversammlung noch im November ankündigt, nennen Ciscos offizielle Unterlagen den 15. Dezember 2026. Für den vorgesehenen Termin ist die Unternehmensunterlage der maßgebliche Beleg. [1][2] (theguardian.com)
Die Recherche beschreibt damit vor allem, wie Cisco eine militärische Kundenbeziehung während des Krieges stabilisierte und weitere Geschäfte verfolgte. Welche konkreten militärischen Einsätze durch einzelne Produkte unterstützt wurden, lässt sich aus dem übergebenen Ausgangsartikel nicht feststellen. [1] (theguardian.com)
Quellen
- The Guardian, Alice Speri: A ‘customer success story’: leaked documents show Cisco doubled down on Israeli military deals during Gaza war, 7. November 2026, 12:00 Uhr UTC. Übergebener Ausgangsartikel; die zugrunde liegenden internen Cisco-Dokumente lagen für diesen Bericht nicht separat vor. Originalartikel.
- Cisco Systems, Inc., 2026 Proxy Statement, 29. Oktober 2026, veröffentlicht im EDGAR-Archiv der US-Börsenaufsicht SEC. Insbesondere Aktionärsantrag Nr. 5, Stellungnahme des Verwaltungsrats und Angaben zum Hauptversammlungstermin. Originaldokument.

