Studie verbindet Weichmacher DINCH mit geringerem Geburtsgewicht
Eine US-Studie mit 6.617 Schwangerschaften hat einen Zusammenhang zwischen der Belastung mit dem Kunststoffzusatz DINCH und einer geringeren Geburtsgröße festgestellt. Die am 4. Oktober 2026 online veröffentlichte Untersuchung liefert Hinweise auf mögliche Risiken des als Phthalat-Ersatz eingesetzten Weichmachers – beweist aber keine ursächliche Wirkung. [2, 3] (nyulangone.org)
Was die Untersuchung zeigt
Das Forschungsteam um Leonardo Trasande von NYU Langone Health wertete Daten aus dem US-Forschungsprogramm „Environmental influences on Child Health Outcomes“ (ECHO) aus. Nach Angaben der Hochschule wurden Urinproben auf drei Abbauprodukte von DINCH untersucht und mit Angaben zu Gewicht und Länge der Neugeborenen verglichen. Für einen Teil der Schwangeren lagen mehrere Proben aus unterschiedlichen Schwangerschaftsabschnitten vor. [2] (nyulangone.org)
Ein zehnfach höherer, über die Schwangerschaft gemittelter Urinwert des DINCH-Abbauprodukts MCOCH war laut Studienzusammenfassung mit einem um durchschnittlich 27,43 Gramm niedrigeren Geburtsgewicht verbunden. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall reichte von 0,04 bis 54,81 Gramm weniger; die geschätzte Größenordnung ist damit unsicher. Auch für die Geburtslänge und das auf die Schwangerschaftsdauer bezogene Geburtsgewicht fanden sich negative Zusammenhänge. Ein Zusammenhang mit der Schwangerschaftsdauer selbst wurde dagegen nicht festgestellt. [3] (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
Bei 50 bis 70 Prozent der untersuchten Schwangeren waren nach Angaben von NYU Langone DINCH-Abbauprodukte messbar. Höhere Werte gingen zudem häufiger mit einer Einstufung als „small for gestational age“ einher: Dabei liegt das Geburtsgewicht unter dem zehnten Perzentil für Kinder, die nach derselben Schwangerschaftsdauer geboren werden. [2] (nyulangone.org)
Ersatzstoff unter Prüfung
DINCH wird eingesetzt, um Kunststoff flexibel zu machen. Nach dem übergebenen Ausgangsartikel des Guardian vom 7. November 2026 findet sich der Stoff unter anderem in Lebensmittelverpackungen, Spielzeug, Medizinprodukten und Bodenbelägen. Er wurde als Alternative zu problematischen Phthalat-Weichmachern vermarktet. [1]
Die Ergebnisse werfen damit die Frage auf, wie verlässlich die gesundheitliche Sicherheit solcher Ersatzstoffe beurteilt wird. Trasande fordert nach Angaben seiner Hochschule strengere Prüfungen vor einer breiten Verwendung in Verpackungen und anderen Alltagsprodukten. Das ist eine gesundheitspolitische Forderung des beteiligten Forschers, keine aus der Studie folgende behördliche Entscheidung. [2] (nyulangone.org)
Was offenbleibt
Die Forschenden betonen ausdrücklich, dass ihre Analyse nicht nachweisen kann, dass DINCH eine geringere Geburtsgröße verursacht. Die statistischen Zusammenhänge dürfen deshalb nicht als bereits bewiesene Schädigung durch den Stoff gelesen werden. [2] (nyulangone.org)
Auch die konkrete Aufnahmequelle lässt sich aus den hier zugänglichen Studienangaben nicht bestimmen: Gemessen wurden Abbauprodukte im Urin, nicht die Belastung durch einzelne Verpackungen oder Lebensmittel. Für weitergehende Aussagen zu kombinierten Belastungen durch verschiedene Weichmacher und zu Messungen über den Schwangerschaftsverlauf hinweg fordert die Studienzusammenfassung zusätzliche Forschung. Der Verlagsvolltext war bei der Recherche nicht zugänglich; die Studienangaben stützen sich auf die zugängliche Zusammenfassung und die Mitteilung der Hochschule. [2, 3] (nyulangone.org)
Quellen
- Übergebener Ausgangsartikel: Tom Perkins, „New ‘high safety’ chemicals in plastic food packaging linked to lower birth weight, study finds“, The Guardian, 7. November 2026, 12:00 Uhr UTC. Originalartikel.
- NYU Langone Health: „Exposure to ‘Safer’ Plastic Additive During Pregnancy Linked to Smaller Birth Size“, Pressemitteilung vom 13. Oktober 2026. Mitteilung der Hochschule.
- Leonardo Trasande und weitere Autoren: „Prenatal exposure to di(isononyl) cyclohexane-1,2-dicarboxylate and adverse birth outcomes in the USA: a prospective analysis of births in a large American birth cohort“, Environment International, online veröffentlicht am 4. Oktober 2026. DOI: 10.1016/j.envint.2026.110548. Studienzusammenfassung bei PubMed.

